5. Was ist ein Kontorating & wer erstellt es?

Unser heutiger Praxistipp befasst sich zunächst mit der Einordnung des Kontoratings. Wir möchten aufzeigen, dass das Kontorating nicht nur für die Geschäftskonten bei Banken und Sparkasse wichtig ist.

 

Einordnung/ Wichtigkeit eines Kontoratings

Die ersten 3 Praxistipps befassten sich mit den Fragen:

1. „Wer bzw. welche Marktteilnehmer“ erstellen/ermitteln ein Rating über deine Unternehmen?

2. „Wer“ nutzt danach die erstellten/ermittelten Ratings?

In der Sicherstellung des Informationsflusses an die Ratingermittelnden Unternehmen besteht eine wichtige (Grund-)Voraussetzung für eine Ratingverbesserung. Alle deine weiteren Schritte sollten nun auf konkrete Maßnahmen zur Verbesserung von einzelnen Parametern im Ratingprozess und damit der Ratingnote abzielen.

Da es keine allgemein verbindlichen Vorschriften für Ratingprozesse gibt, welche eine gleichartige Vorgehensweise bei einer Ratingermittlung für alle Ratingermittelnden Unternehmen in Deutschland/Europa vorschreiben, kannst du

→ Die wichtigsten Teilgebiete nach unseren Erfahrungen wie folgt zusammen:

 

1. Kontorating

  • Bewertet die Kontoführung von Unternehmen und benotet sie

2. Bilanzrating

  • Hier werden zumeist statische/stichtagsbezogene Bewertungen eines Unternehmens (wie zum Beispiel: Eigenkapitalquote oder Verhältnis kurzfristiger Verbindlichkeiten zu kurzfristigen Forderungen aus der Bilanz u.v.m.) sowie die Teilergebnisse der Gewinn- und Verlustrechnung eines bestimmten Zeitraums (zumeist ein Geschäftsjahr / wie zum Beispiel: Umsatzrentabilität, Rohertragsrentabilität u.a.) bewertet
  • in manchen Fällen wird zwischen Bewertungen der Bilanz und der GuV unterschieden und hierfür eigene Teilratings und andere Begriffe verwendet, häufig werden jedoch beide Bereiche zusammen unter dem „Bilanzrating“ zusammengefasst ausgewertet (und umgangssprachlich nutzen nach unserer Erfahrung viele Unternehmen ja ebenfalls den Begriff „Bilanz“ als Synonym für den Jahresabschluss)

3. Qualitatives Rating

  • Dieses umfasst die Bewertung der Arbeit der Unternehmensbereiche (wie beispielsweise, F&E, Aufbau- und Ablauforganisation, Beschaffung/Einkauf, Risiko-management, Unternehmensführung, Controlling/Finanzen u.w.) sowie die Bewertung der übermittelten Unterlagen/Informationen

 

In allen 3 Teilbereichen sind kurzfristig wirkende Verbesserungen möglich sowie langfristig wirkende Maßnahmen wünschenswert, daher solltest du unserer Meinung nach, deinen Fokus bei Verbesserungen auf einen einzelnen Bereich, sondern alle Bereiche richten. Wir gehen nachfolgend zuerst auf das Kontorating ein.


 

Wer erstellt ein Kontorating?

1) Geschäftsbanken

  • Das Kontorating bewertet die Kontoführung von Unternehmen bei einer Bank bzw. auch in manchen Fällen bei einem Geschäftspartner, mit denen dein Unternehmen in Geschäftsbeziehung steht und Zahlungen vornimmt
  • In erster Linie denkt man hier zurecht an das Giro- oder auch Kontokorrentkonto bei einer Geschäftsbank, über das selbst bei kleineren Unternehmen unzählige Buchungen je Monat laufen

→ Unser Praxistipp:

Bitte denk auch dann an das Kontorating, wenn „nur“ ein im Guthaben geführtes Konto vorhanden ist, jedoch kurz- bis mittelfristig eine Kontokorrentlinien bei der betreffenden Bank geplant ist. Die Bewertung der Kontoführung (Kontorating) findet selbst dann statt, wenn es (noch) keine Kontokorrentlinie gibt.

 

Es werden

  • Überziehungen berücksichtigt und/oder
  • wie hoch das durchschnittliche Guthaben ist sowie
  • auch die Höhe der Umsatzzuweisungen (Anteil der Zahlungseingänge auf dem Konto im Verhältnis zu den Bruttoerlösen

 

Bei Überziehungen ist ferner zu berücksichtigen, dass manche Banken deine Überziehungen nicht nach Buchungstag, sondern gemäß Wertstellung/Valuta messen. Es kann also sein, dass an einem Tag eine Überweisung aus vorhandenen Guthaben ausgeführt wird, jedoch ein Teil des Guthabens aus einem Geldeingang besteht, dessen Wertstellung/Valuta erst am Folgetag ist – das ist dann für manche Banken trotzdem eine (valutarische) Überziehung und diese kann dann zu einer schlechte Kontorating und zur Ablehnung einer beantragten KK-Linie führen. Wenn du das berücksichtigst und ferner auch die Umsatzzuweisungen auf dem im Guthaben geführten Konto anpasst, entstehen aus der Kontoführung keine Hindernisse für eine spätere KK-Linie.

 

2) Händler

  • Aber auch Nichtbanken können ein Kontorating erstellen. Als Beispiel seien Einzelhändler genannt, die bei einen oder auch verschiedenen Groß- oder Fachhändlern oder Einkaufsgenossenschaften Waren beziehen. Wenn ein Einzelhändler bei einem Großhändler nach einem „Zahlungsziel“ nachfragt, entsteht durch die Einräumung von Zahlungszielen ein „Kreditverhältnis“ – losgelöst davon, ob sich der Großhändler dieses Risiko ggf. bei einem Warenkreditversicherer (wie u.a. EulerHermes) versichern lässt. Also bewerten fortan auch manche Großhändler die Kontoführung des Einzelhändlers, den sie nun mit Zahlungsziel – also mit Kredit- beliefern – und jede verspätete Zahlung des Einzelhändlers wird negativ bewertet und Zahlungen mit Skonto bspw. positiv

 

3) Auskunfteien

  • Auskunfteien führen zwar keine Zahlungskonten für dich, sammeln jedoch über dein Zahlungsverhalten Informationen (zum Beispiel von Mitgliedern, die regelmäßig Auskünfte erhalten und im Gegenzug bei Zahlungsproblemen ihrer Geschäftspartner der Auskunftei eine Meldung erstatten) oder wenn der Auskunftei bzw. einer für sie tätigen Tochtergesellschaft und/oder Dienstleister ein Inkasso übertragen wird
  • Aus diesen Meldungen ergeben sich positive oder negative Bewertungen des Zahlungsverhalten (Teilrating/Teilnoten) von Unternehmen die analog des eigenen Kontoratings von Banken für die Bewertung und auch Kreditentscheidungen (also ja/nein oder der Höhe des Zinssatzes) eine Rolle spielen

 

→ Unser Praxistipp:

Bitte denke daran, dass es Geschäftsbanken gibt, die über ein Zweitrating auf die Daten von Auskunfteien zurückgreifen und dieses zusätzlich zu ihrer eigenen Bewertung hinzuziehen. Und hier kann zum Beispiel die Teilnote des Zahlungsverhaltens bei einer Auskunftei zu einer Ablehnung einer Krediteinräumung bei der eigenen Hausbank führen, obwohl dort ansonsten alles im grünen Bereich liegt.

 


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