3. Positive Interaktionen zur Verbesserung des Ratings

In unserem heutigen Blogbeitrag zeigen wir dir, welche Informationen und Daten du von den Ratingermittelnden Unternehmen benötigst, um spürbare Vorteile zur Verbesserung von Umsatz, Ertrag und Liquidität zu erzielen.

In diesem Blogartikel haben wir ausführlich erläutert, was/wer Ratingermittelnde Unternehmen sind.


 

1. Zunächst empfehlen wir eine Unterscheidung der Ratingermittelnden Unternehmen, bei denen:

a) ohne genaue Kenntnisse zu deinem Unternehmen Ratings und Bonitätsbeurteilungen für die eigene Risikobeurteilung des jeweiligen Ratingermittelnden Unternehmen abgegeben werden

Beispiele: Kreditversicherer/ teilweise Zentralregulierer

b) ohne genaue Kenntnis des Ratingprozesses und des Zusammenwirkens verschiedener anderer Informationen zur Ratingermittlung und Bonitätsbeurteilung für Dritte (gegen Gebühr/Beitrag) vorgenommen werden

Beispiele: Auskunfteien/ Ratingagenturen

c) der Ratingprozess aktiv wahrgenommen wird bzw. dieser aufgrund eines direkten Vertragsverhältnisses umgesetzt wird und Bonitätsbeurteilungen das direkte Vertragsverhältnis beeinflussen

Beispiele: Banken/ Handelskooperationen/ einzelne Lieferanten/ Finetrader/ Factor/ Mobilienfinanzierer

 

2. Recherche der Aktenzeichen und Bearbeiter der Marktteilnehmer zu 1.a) (im Idealfall Recherche der Grundlage des Ratingprozesses)

z.B.: Kreditversicherer, der eine Limitanfrage eines Lieferanten vorliegen hat

 

3. Ergänzung der Adressaten-Matrix (ein Beispiel dazu haten wir in unserem Blogbeitrag „Wer nutzt eigentlich alles Ratings zur Beurteilung der Unternehmensbonität?“ als Download beigefügt) um diese Ansprechpartner sowie um die Ansprechpartner aus den eigenen/direkten Vertragsverhältnissen

 

4. Anfrage zu den vorliegenden Ratingnoten und Limiten, ggf. über die eigenen Geschäftspartner= Lieferanten, sofern keine direkte Auskunft gegeben wird (Kreditversicherer)

 

5. Recherche der Ratingskala der verschiedenen ratingrelevanten Marktteilnehmer, um die Einordnung des eigenen Ratings bewerten zu können – ergänzende Gespräche mit Ansprechpartnern bei diesen Marktteilnehmern und/oder eigenen Geschäftspartnern, um eine Meinung zur Qualität der Bewertung zu erfahren


 

Nach Kenntnis der Ratings bzw. der ungefähren Ratings bei den verschiedenen relevanten Gesellschaften sollten im nächsten Schritt die Potenziale zur Verbesserung des Ratings und der Bonitätsbeurteilung festgelegt werden.

Es gibt zwar Fakten/Gründe, die bei allen ratingrelevanten Marktteilnehmern ähnlich wichtig sind – wie u.a. Eigenkapitalquote, EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, AfA, Steuern) oder auch der Jahresüberschuss. Jedoch bereits bei der Bewertung dieser Zahlen und Kennziffern werden verschiedene Schlüsse gezogen.

 

Beispiel:

  • Dein Unternehmen erwirtschaftet ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, AfA von 300 TEUR Geschäftsjahr (EBITDA)
  • der Kapitaldienst (Zinsen, Tilgung) und die Steuern betrugen im letzten Geschäftsjahr 250 TEUR
  • Die eingeräumten Kontokorrent-Linien von 500 TEUR mit durchschnittlich 6% Zins p.a., ist mit durchschnittlich mit 250 TEUR in Anspruch genommen (die Zinsen aus den KK-Linien sind bei den 250 TEUR für Zins, Tilgung, Steuern) enthalten
  • Die AfA beträgt 100 TEUR
  • Du ermittelst für dich selbst, dass du eine Kapitaldienstüberdeckung von 20% hast (50 TEUR Differenz von 300 TEUR EBITDA ggü. Kapitaldienst + Steuern – also 20% von 250 TEUR mehr Überschüsse als Zins, Tilgung, Steuern)
  • 20% Kapitaldienstüberdeckung ist in vielen Ratingverfahren ein noch akzeptabler Wert
  • Wenn allerdings das Ratingermittelnde Unternehmen aus Vorsichtsgründen die Vollauslastung der Linien (also 500 TEUR anstatt 250 TEUR) sowie Ersatzinvestitionen annimmt, dann kommen hier fiktive Zinsen von 15 TEUR (6% auf die freien Linien) und zwischen 15 bis 20% der AfA Ersatzinvestitionen (also zwischen 15 bis 20 TEUR der AfA) hinzu
  • Damit ist die Kapitaldienstüberdeckung bei diesen Ratingermittelnden Unternehmen nahezu aufgebraucht und diese wichtige Kennziffer liefert im Ratingprozess einen unakzeptablen Wert

 

Um dies zu vermeiden benötigst du Kenntnisse über die Bewertung wichtiger Kennziffern bei diesen Ratingermittelnden Unternehmen und kannst dich im Vorfeld (vor Ablauf des Geschäftsjahres) mit deinem Steuerberater über die Ergebnisgestaltung abstimmen.

Neben der unterschiedlichen Beurteilung kommen je nach Sichtweise/Gewichtungen noch andere Kennziffern hinzu, deren Wichtigkeit bei verschiedenen Gesellschaften auch jeweils anders bewertet wird – auch hier hilft vor allem eine offene Kommunikation.

Unseres Erachtens solltest du mit den Ansprechpartnern ganz gezielt ins Gespräch gehen, um Verbesserungspotenziale zu erfragen. Aus diesen Gesprächen (Telefonate, seltener Mails) können je Adressat die wichtigsten Potenziale in die o.a. Matrix übernommen werden.

In der Praxis ergeben sich erfahrungsgemäß einige wiederkehrende Positionen, deren Verbesserung bei allen Adressaten auch eine Verbesserung des Ratings und der Beurteilung ergibt und ggf. einige exotische Punkte, deren Verbesserung in vielen Fällen ohne großen Aufwand zu erreichen ist.

 

Verbesserungen können zum Beispiel darin bestehen:

  • eine knappe Kapitaldienstüberdeckung (EBITDA im Verhältnis zu Zins/Tilgung/Steuern) zu beheben (z.B. durch Änderung der Finanzierungsstruktur) -Hier geht’s zum Blogartikel „optimale Finanzierungsstruktur ermitteln“
  • das Verhältnis von kurzfristigen Verbindlichkeiten und kurzfristigen Vermögenswerten zu verbessern (z.B. durch mittelfristige Umschuldung von KK-Sockelbeträgen) oder
  • das Verhältnis der Limite bei einem Kreditversicherer zum Ergebnis zu verbessern (ggf. durch Reduzierung von Leer-Limiten über die eigenen Lieferanten) u.v.m.

 

Im nächsten Schritt gilt es, Strategien/Maßnahmen zu entwickeln, wie sich unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten Verbesserungen erreichen lassen.

 

Wir empfehlen dir, dass du die Schritte zur Ratingverbesserung als langfristigen und wiederkehrenden Prozess ansiehst.

  • manche Maßnahmen können sofort umgesetzt werden

(wie Umschuldungen eines Sockelbetrages vor einem Bilanzstichtag)

  • andere Schritte dauern länger als 1 Jahr

(wie der Aufbau eines Finanzreportings und positive Reaktionen darauf, die zum Beispiel deswegen eine Limit-Verbesserung erlauben oder auch die komplette Veränderung der Finanzstruktur)

 


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