6. Wann wird ein Kontorating erstellt?

Im vorhergehenden Praxistipp hatten wir erklärt, was ein Kontorating ist. Heute stellen wir dar, wann ein Kontorating erstellt wird bzw. dessen Erstellung erwartet werden kann.

→ Zunächst eine Betrachtung zu den allgemeinen Möglichkeiten, wann ein Kontorating erstellt werden „könnte“.

 

Im Prinzip kann ein Kontorating durch jeden erstellt werden, der über regelmäßige Zahlungserfahrungen mit seinen Kunden oder Geschäftspartnern verfügt.

Der Begriff des Kontos lehnt sich in diesem Zusammenhang nicht nur an buchhalterische Hintergründe an, sondern umfasst alle Möglichkeiten, bei denen Eingänge und Ausgänge oder nur Eingänge oder nur Ausgänge erfasst werden.

Es kann sich hierbei um geldliche Zahlungsvorgänge oder auch um Vorgänge handeln, die an geldliche Zahlungsvorgänge angelehnt werden (z. Bsp. Punktekarten im Auto- und Flugverkehr).

Die Kontoführung kann für einen Kunden/Geschäftspartner oder im Auftrag eines Kunden erfolgen (zum Beispiel Regulierer im Handel).

 

Das Kontorating ist zu unterscheiden von einer „Einschätzung des Zahlungsverhaltens“, welches sich lediglich auf Meldungen Dritter bezieht und auch von Auskunfteien und Ratingagenturen erstellt und/oder auch genutzt wird.

→ Vielmehr handelt es sich beim Kontorating um eine Einschätzung/Bewertung der eigenen Daten und Erfahrungen, die ein Ratingadressat (Bank, Lieferant etc.) mit seinem Kunden gesammelt hat.

Über die theoretische Möglichkeit eines Kontoratings hinaus interessiert in der Praxis aber vor allem, wann die Erstellung eines Kontoratings „Sinn“ macht und und daher von den betroffenen (gerateten) Unternehmen beachtet werden sollte.

Nach unseren Erfahrungen dient ein Kontorating den Adressaten als (Mit-) Entscheidungskriterium bei der Risikobeurteilung für eine -wie auch immer geartete- Kredit-/Risikovergabe.

 

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Eine Kreditvergabe bzw. ein zu bewertendes Risiko können zum Beispiel sein:

  • ein Kontokorrentrahmen (Linie)
  • eine Zwischenfinanzierung
  • eine Kontoüberziehung
  • ein Lastschrifteinzug (der wg. Widerspruch zurückgegen werden kann)
  • ein Darlehen
  • ein Wechsel
  • eine Wareneinkaufsfinanzierung
  • die Vorfinanzierung von Forderungen (Factoring)
  • eine Mietkauf-/Leasingentscheidung
  • eine (einfaches) Zahlungsziel
  • die Lieferung gegen sofortige Zahlung (jedoch erst nach Erhalt der Ware durch Empfänger)
  • die Gewährung einer Anzahlung
  • die Übernahme einer Bürgschaft/Garantie (Aval)
  • die Stellung einer Sicherheit für einen Dritten
  • oder auch das Vertrauen in einen Gewährleistungsanspruch (bis 5 Jahre) sein

 

→ Unser Praxistipp:

Sensibilisiere dich in einem 1. Schritt bezüglich der Fragestellung, ob deine Geschäftspartner Gründe bzw. eine Veranlassung haben, Kontoratings zu erstellen.

 

Nur wenn du weißt bzw. davon ausgehen kannst, dass über dein Geschäftsverhalten eine Bewertung durch ein Kontorating vorgenommen wird, kannst du darauf reagieren. (Ggf. werden auch andere Bezeichnungen als das Wort „Kontorating“ genutzt).

 

  • Es gibt die Möglichkeit, dass du deine Geschäftspartner dazu befragst, in den meisten Fällen wirst du auch eine Antwort erhalten.
  • Falls deine Geschäftspartner darauf nicht antworten, dann mache dir folgende Gedanken:

Geht dein Geschäftspartner in irgendeiner Weise Risiken ein, wenn er mit dir zusammenarbeitet?

 

Könnte der Geschäftspartner ggf. später Risiken eingehen, die ihn bereits jetzt zu einer Bewertung/Kontorating veranlassen?  (das könnte z.B. eine Bank sein, die ein auf Guthabenbasis geführtes Konto dahingehend beurteilt, ob der Kontoinhaber einen Kredit oder auch eine vorübergehende Überziehung erhalten könnte).

In allen Fällen, wo dies bejaht werden kann, solltest du daher von der Erstellung eines Kontorating und einer Beurteilung des Zahlungsverhaltens/Zahlungsverkehrs mit dem Ratingadressaten ausgehen und deinen Zahlungsverkehr entsprechend vorbereiten.

 

In den kommenden Praxistipps geben wir Empfehlungen, wie du dich verhalten kannst bzw. in welcher Art und Weise du Einfluss darauf nehmen kannst.

 


 

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