8. So wirkt sich das Kontorating in der Praxis aus

In den vorhergehenden Blogartikeln hatten wir erklärt, was ein Kontorating ist, wann es erstellt wird bzw. wann du eine Erstellung durch einen Geschäftspartner erwarten kannst. Nachfolgend informieren wir dich über die Bedeutung des Kontoratings in der Praxis.

➥ Zunächst gehen wir auf die unterschiedlichen Teilbereiche eines „Ratings“ ein, um die besondere Bedeutung des Kontoratings in der Praxis für deine Geschäftspartner hervorzuheben.

Das sind die Bewertungskriterien für dein Kontorating

Ein Rating sagt etwas über die Bewertung eines Unternehmens aus. Dafür werden folgende Bereiche bewertet:

  • Wirtschafts- und Bilanzdaten
  • Zahlungserfahrungen/Kontoführung
  • Brancheneinordnung
  • Unternehmensgröße, Rechtsform und Unternehmensalter

Die Branche, Unternehmensgröße, deine Rechtsform und das Alter deines Unternehmens werden anhand statistischer Daten bewertet. Hier kannst du nur sehr begrenzt Einfluss nehmen – es sei denn, du planst bewusst deine Rechtsform zu ändern oder deine Geschäftsausrichtung in eine andere Branche zu verlegen. Besser du konzentrierst dich auf deine Wirtschafts- und Bilanzdaten und vor allem das Kontorating, da kannst du schon einiges bewegen.

Die Wirtsschafts- und Bilanzdaten werden zumeist einmal im Jahr (Vorlage Jahresabschluss oder Einnahmen-/Überschussrechnung bei nichtbilanzierenden Unternehmen bewertet). Manche Geschäftspartner bewerten zudem den Trend aus den betriebswirtschaftlichen Auswertungen des aktuellen Jahres. Da jedoch diese „unterjährigen Zahlen“ oftmals noch nachträglich geändert werden, ist die Vorlage der Zahlen zwar aus Transparenzgründen wichtig, führt jedoch wegen der Änderbarkeit der Zahlen nur zu geringen Verbesserungen bzw. bei negativen Trend zu geringeren Verschlechterungen des Ratings.

Für viel aussagefähiger als die unterjährigen Zahlen halten alle Ratingerstellenden Unternehmen/ deine Geschäftspartner (Banken, Auskunfteien, Ratingagenturen, Kreditversicherer, andere Geldgeber) deine Kontoführung und deren Bewertung (Kontorating).

Wie deine Kontoführung das Kontorating und Kredite beeinflusst


Im Kontorating werden alle Zahlungsvorgänge, die du mit deinem Geschäftspartner hast, von einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit bis heute gesammelt und bewertet.

Das kann beispielsweise dein Geschäftskonto bei deiner Hausbank sein. Der Algorithmus deiner Bank für die Bewertung des Kontoverhaltens (Kontorating) untersucht deine Kontobewegungen nach negativen Merkmalen wie Rücklastschriften, geplatzte Wechsel oder Schecks, Überziehungshöhe und Anzahl der Überziehungstage und genauso nach positiven Merkmalen (Guthaben, Saldoentwicklung). Außerdem berechnet er die durchschnittliche Höhe der Inanspruchnahme deines Kontokorrents bzw. des durchschnittlichen Guthabensaldos, wenn du keine Kontokorrentlinie brauchst oder hast.

Es gibt inzwischen Finanzierungsgesellschaften, die lassen sich die vollständigen Kontoauszüge deiner Hausbank im pdf-Format auf ihre Rechner laden und untersuchen deine Kontoauszüge genauso wie deine Hausbank selbst.

Diese Art der Bewertung liefert sehr aktuelle Ergebnisse und ist sozusagen auf Knopfdruck verfügbar. Und was für den Adressaten wichtig ist, die Fehleranfälligkeit ist gering.

Es lässt sich in der Praxis ein belastbarer Trend daraus ableiten, in welche Richtung sich dein Unternehmen entwickelt.

Hattest du zum Beispiel eine Lastschriftrückgabe mangels Deckung gibt es wenig Spielraum für Auslegungen. Nahezu jeder im Geschäftsleben weiß, dass das ein Negativmerkmal ist. Das kann maximal hinterher erklärt werden, ggf. gibt es auch handfeste Gründe, dass da was falsch gelaufen ist. In den allermeisten Fällen ist der Grund der Rücklastschrift mangels Deckung jedoch eine fehlende freie Kreditlinie oder fehlendes Guthaben bzw. eine fehlende Bereitschaft deiner Bank, eine Überziehung zur Einlösung der Lastschrift zu gewähren.

Ähnlich wie deine Bank messen und bewerten auch andere Geschäftspartner (Hersteller/Lieferanten, Großhändler, Einkaufsgenossenschaften, Zentralregulierer) dein Zahlungsverhalten.

Zahlst du mit Skonto, zahlst du vor, zum oder nach dem Zahlungstermin. Hieraus wird dein Zahlungsverhalten abgeleitet und bewertet (das ist auch ein Kontorating).

Aus den Bewertungen werden die Entscheidungen über Zahlungsziele, Einkaufslimit und teilweise auch Lieferantenzinsen abgeleitet bzw. sind Grundlage eines Angebotes oder einer Ablehnung deiner Kreditanfrage an dich.

Wer erstellt noch ein Kontorating über mein Unternehmen und nutzt dies für Entscheidungen?

Ratingagenturen, Auskunfteien und Kreditversicherer lassen sich von angeschlossenen Vertragspartnern Daten zu Unternehmen übermitteln, auch Zahlungsdaten. Dabei handelt es sich nicht nur um Inkassofälle, bei denen lange nach Eintritt der Zahlungsfälligkeit immer noch nicht oder nicht vollständig gezahlt wurde.

Es wird auch gemeldet, ob ein Unternehmen pünktlich bezahlt, teilweise auch welche Rechnungen ggü. welchen Unternehmen schneller und welche mit Verzögerung gezahlt werden.

Das geht soweit, dass Ratingagenturen, die mit Konzernen und Großkunden zusammenarbeiten ableiten können, dass ein Unternehmen Zahlungsprobleme hat, weil die wichtigen A und B-Lieferanten pünktlich bezahlt werden und die weniger wichtigen C-Lieferanten unpünktlich. Aufgrund der Dienstleister im Hintergrund, die für viele -vor allem große- Unternehmen parallel tätig sind, sind heutzutage viele auswertbare Daten über alle Unternehmen verfügbar.

Das Kontorating entscheidet bei Banken über die Höhe der Zinsen und der Kontokorrentlinie sowie der Forderung nach Sicherheiten

Für die Geschäftsbanken zeigt ein schwaches Kontorating an, das Handlungsbedarf besteht. Eine spürbare Verschlechterung deiner Kontoführung führt nach wenigen Monaten zu einer Verschlechterung des Kontorating und deine Hausbank wird dich zu einem Gespräch über die Gründe einladen. Hier wird dann über die „Angemessenheit“ deiner Linie und über deine wirtschaftliche Entwicklung gesprochen.

Sei vorbereitet, indem du regelmäßig deine Liquidität planst und anhand deiner Liquiditätsüberschüsse aus deiner Tätigkeit und die dir zur Verfügung stehenden Geschäftskonten und freie Linien auch die Inanspruchnahme auf deinen Konten im Blick hast. Laufen die Dinge laut deiner Planung aus dem Ruder, reagiere rechtzeitig mit Gegenmaßnahmen und führe frühzeitig Gespräche mit deiner Hausbank.

Kreditversicherer achten genau auf Zahlungsverzögerungen – hier ist größte Sorgfalt wichtig

Lieferanten und Großhändler versichern häufig ihr Risiko aus den Lieferungen an dich bei einer Kreditversicherung. Aufgrund ihrer Verträge sind sie verpflichtet nach einer vorgegebenen Zeitspanne zu melden, falls noch Zahlungen offen sind. Machen sie es nicht, verlieren sie den Schutz, ergo melden sie auch kleinste Verstöße.

Die Meldung eines Verstoßes bei einem deiner Lieferanten führt häufig dazu, dass sowohl diese Linie gekürzt oder vorübergehend ausgesetzt wird aber auch alle anderen Linien, die andere Lieferanten bei diesem Kreditversicherer haben

Hinzu kommen ggf. Meldungen über Auskunfteien und Ratingagenturen über Abgaben an Inkassounternehmen (falls eine Rechnung trotz Nachfrist nicht bezahlt wird)

Es ist daher wichtig, zu wissen bei welchem Kreditversicherer der jeweilige Geschäftspartner versichert und wann er eine Meldung an diesen vornehmen muss, um rechtzeitig nach Lösungen zu suchen und Meldungen zu verhindern.

Lieferanten und Großhändler bemessen die Einräumung und Dauer von Zahlungszielen und die Höhe des Einkaufslimits häufig auch am Zahlungsverhalten (Kontorating)

Es macht daher Sinn, den Einsatz der Waren und Materialien in der Produktion bzw. im Verkauf, die Guthaben und ggf. freien Linien bei deiner Bank und deiner erwarteten Geld-Ein- und Ausgänge im Blick zu haben, um deine Zahlungsziele einzuhalten. Ggf. macht es in manchen Fällen mehr Sinn, auf ein längeres Zahlungsziel hinzuarbeiten (dadurch steigen jedoch häufig die Einkaufspreise) anstatt günstiger einzukaufen und einen hohen Druck zu haben.

Die Lieferanten arbeiten sehr oft mit Kreditversicherern zusammen. Zahlungsüberschreitungen führen daher beim Lieferanten selbst und dann über den Kreditversicherer auch bei anderen Geschäftspartnern indirekt zu Problemen.

Auch hier hilft nur vorausschauendes handeln.


〈 Unser Praxistipp 〉

Vermeide auf jeden Fall Negativmerkmale bei deiner Kontoführung.

Negativmerkmale führen fast immer zu Ablehnungen bei neuen Anfragen.

Es ist ein sehr schwerer und meist langwieriger Kampf, Negativmerkmale, welche die Algorithmen einmal verarbeitet und bewertet haben, wieder zu eliminieren.

Beispiel:

Wenn du einer Factoring- oder einer Finetrading-Gesellschaft deine Kontoauszüge der letzten 6 Monate mit einer Rücklastschrift mangels Deckung vorlegst, dann ist die Wahrscheinlichkeit der Einräumung einer Linie (Zusammenarbeit) sehr gering. Da müsstest du schon ein Schreiben von deinem Geschäftspartner vorlegen, dass er beim Einzug der Lastschrift einen Fehler gemacht hat. Das zu bekommen ist schonmal nicht so einfach. Und dann müsste nach der Auswertung deiner Kontoauszüge auch noch ein Mensch die Maschine überstimmen und entscheiden, dass trotz des schlechten Kontoratings (wg. der Lastschriftrückgabe) eine Factoring-Linie oder Finetrading-Linie genehmigt wird.

Daher sind Negativmerkmale wie Lastschriftrückgaben und Überziehungen zu 100% zu vermeiden. Erfasse und prüfe Rechnungen zeitnah, sprich bei Unstimmigkeiten sofort mit deinen Geschäftspartnern und führe außerdem eine Liquiditätsplanung, um jederzeit zu sehen, wann der Spielraum auf deinem Konto weg ist und sprich dann im Vorfeld mit deiner Bank über Lösungen.


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